← Zurück zum Blog Fräser unter Kühlschmierstoff-Flut in einer CNC-Maschine

Wenn eine Emulsion kippt, kostet das mehr als den neuen Kühlschmierstoff. Dazu kommen der Maschinenstillstand für die Systemreinigung, die Entsorgung des Altbestands als Sonderabfall, gegebenenfalls Ausschussteile – und der Geruch, der die Belegschaft auf die Palme bringt.

Das Ärgerliche daran: In den allermeisten Fällen kippt eine Emulsion nicht plötzlich, sondern über Wochen. Wer sie beobachtet und pflegt, erreicht ohne großen Aufwand ein Vielfaches der Standzeit. Diese sieben Maßnahmen wirken am schnellsten.

1. Konzentration täglich messen – nicht schätzen

Die Konzentration ist der wichtigste Einzelwert. Zu niedrig bedeutet: schlechte Schmierung, mehr Werkzeugverschleiß, Korrosion an Maschine und Werkstück und ein idealer Nährboden für Bakterien. Zu hoch bedeutet: unnötiger Verbrauch, Rückstände, Hautbelastung bei den Mitarbeitern und Schaumprobleme.

Gemessen wird mit dem Handrefraktometer, umgerechnet über den produktspezifischen Faktor aus dem Datenblatt. Der Wert gehört in eine Liste – Datum, Maschine, Messwert, Kürzel. Diese Liste ist gleichzeitig der Nachweis, den Sie bei einer Prüfung ohnehin brauchen.

2. Nachsatz richtig ansetzen

Verdunstetes Wasser wird mit Emulsion nachgesetzt, nicht mit purem Wasser oder purem Konzentrat. Wer nur Wasser nachfüllt, verdünnt das System schleichend unter den Sollwert. Wer Konzentrat nachkippt, fährt die Konzentration hoch und riskiert Hautprobleme.

Beim Ansetzen gilt die Reihenfolge: erst das Wasser, dann das Konzentrat hinein – nie umgekehrt. Andersherum entsteht eine instabile Emulsion, die sich später nicht mehr korrigieren lässt.

Wasserqualität beachten: Sehr hartes Wasser fördert Kalkseifen und Rückstände, sehr weiches Wasser begünstigt Schaum. Die Wasserhärte am Standort sollte man einmal kennen und bei der Produktauswahl berücksichtigen.

3. Fremdöl konsequent abscheiden

Hydraulik-, Bett- und Spindelöl, das aus der Maschine in die Emulsion gelangt, ist der Hauptgrund, warum Bäder kippen. Das Fremdöl legt sich als Film auf die Oberfläche, schneidet die Sauerstoffzufuhr ab und schafft damit genau die Bedingungen, unter denen anaerobe Bakterien explodieren – erkennbar am typischen Montagsgeruch.

Ein funktionierender Ölabscheider oder Bandskimmer ist eine der wirtschaftlichsten Investitionen im ganzen System. Wichtig: Er muss auch tatsächlich laufen und regelmäßig entleert werden.

4. Am Wochenende umwälzen

Eine Emulsion, die von Freitagnachmittag bis Montagmorgen stillsteht, ist am Montag deutlich schlechter als am Freitag. Ohne Bewegung setzt sich Schmutz ab, der Sauerstoffeintrag fehlt, und anaerobe Keime vermehren sich ungestört. Eine Zeitschaltuhr, die die Pumpe am Wochenende mehrmals für 15 bis 30 Minuten laufen lässt, kostet fast nichts und verlängert die Standzeit spürbar.

5. Späne und Schlamm rausholen

Späne im Behälter binden Emulsion, bilden Sedimentnester und liefern Bakterien Rückzugsräume, an die kein Systempflegemittel kommt. Regelmäßiges Absaugen des Behälterbodens und gepflegte Filteranlagen gehören zur Grundhygiene. Wo Feinstschlamm anfällt, lohnt sich die Nachrüstung einer Filtration – sie zahlt sich über die verlängerte Standzeit zurück.

6. pH-Wert und Nitrit im Blick behalten

Der pH-Wert wassergemischter Kühlschmierstoffe liegt typischerweise zwischen etwa 8,5 und 9,3. Fällt er über Tage ab, ist das ein klares Frühwarnzeichen für Bakterienbefall – meist bevor es riecht. Steigt er ungewöhnlich, deuten Verunreinigungen oder ein Ansatzfehler darauf hin.

Die TRGS 611 begrenzt zusätzlich den Nitritgehalt wassergemischter Kühlschmierstoffe, weil aus Nitrit zusammen mit Aminen krebserzeugende N-Nitrosamine entstehen können. Nitritteststäbchen sind Cent-Artikel und gehören in jeden Betrieb, der zerspanend arbeitet. Die Messwerte müssen dokumentiert werden – bei einer Kontrolle wird genau danach gefragt.

Frühwarnzeichen, die jeder erkennt: Geruch am Montagmorgen, Farbumschlag ins Gräuliche, schmieriger Film auf dem Werkstück, plötzlich auftretender Flugrost, Hautreizungen bei Mitarbeitern. Wer hier innerhalb weniger Tage reagiert, rettet das Bad meistens noch.

7. Beim Wechsel richtig reinigen

Der beste Kühlschmierstoff hält nicht lange, wenn er in ein verkeimtes System gefüllt wird. Ein Wechsel ohne Systemreinigung bedeutet, dass die alte Bakterienpopulation die frische Emulsion sofort besiedelt – die neue Füllung kippt dann in einem Bruchteil der üblichen Zeit.

Richtig ist: Altbestand ablassen, Behälter und Leitungen mechanisch von Schlamm befreien, mit einem Systemreiniger im Umlauf fahren, gründlich spülen und erst dann neu ansetzen. Der Mehraufwand von einigen Stunden entscheidet darüber, ob die neue Füllung sechs Wochen oder ein Jahr hält.

Was das wirtschaftlich bedeutet

Eine verdoppelte Standzeit halbiert nicht nur den Konzentratverbrauch, sondern auch die Entsorgungsmengen, die Stillstandszeiten für Wechsel und die Reklamationen wegen Korrosion an Werkstücken. Der Aufwand dafür sind wenige Minuten pro Maschine und Tag – vorausgesetzt, jemand ist dafür wirklich zuständig.

Genau daran scheitert es in vielen Betrieben: Die Aufgabe ist nicht schwer, aber sie liegt bei niemandem verbindlich. CIX-Service übernimmt das Fluidmanagement als feste Dienstleistung – mit turnusmäßigen Messungen, Nachsatz, Systempflege, Wechseln und einer lückenlosen Dokumentation, die den Anforderungen der TRGS 611 standhält.

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