Sobald ein Bauteil Bohrungen, Gewinde, Sacklöcher oder feine Kanäle hat, endet die mechanische Reinigung. Bürste, Lappen und Strahlmittel kommen schlicht nicht überall hin – und genau dort sitzt der Schmutz, der später Probleme macht: Späne im Kanal, Ölkohle im Gewinde, Kühlschmierstoffreste in der Passung.
Die Teilereinigung mit Ultraschall löst dieses Problem, weil das Reinigungsmedium selbst zum Werkzeug wird. Sie funktioniert überall dort, wo Flüssigkeit hinkommt – also auch in der Bohrung, die kein Mensch von Hand erreicht.
Wie Ultraschallreinigung funktioniert
Im Reinigungsbad erzeugen Schwinger hochfrequente Druckwellen, üblicherweise zwischen 25 und 40 Kilohertz. In den Unterdruckphasen entstehen mikroskopisch kleine Dampfblasen, die in der nächsten Druckphase wieder zusammenfallen. Dieses Implodieren nennt sich Kavitation und setzt punktuell erhebliche Kräfte frei – stark genug, um anhaftende Verschmutzung von der Oberfläche abzulösen, aber ohne das Bauteil abzutragen wie ein Strahlverfahren.
Entscheidend ist die Kombination aus drei Faktoren: der Frequenz, dem Reinigungsmedium und der Badtemperatur. Niedrige Frequenzen wirken aggressiver und eignen sich für robuste Metallteile, höhere Frequenzen reinigen feiner und schonender – etwa bei empfindlichen Oberflächen oder Feinmechanik.
Welche Teile sich für Ultraschall eignen
- Zerspanungsteile mit Kühlschmierstoff-, Öl- und Spanrückständen
- Hydraulik- und Pneumatikkomponenten mit engen Kanälen
- Düsen, Filtergehäuse und Siebe
- Werkzeuge, Spannmittel und Formteile mit Trennmittelresten
- Motor- und Getriebeteile mit Ölkohle- und Rußbelag
- Baugruppen, die vor Messung, Montage, Lackierung oder Beschichtung absolut fettfrei sein müssen
Faustregel: Je verwinkelter das Bauteil, desto größer der Vorsprung des Verfahrens. Bei einer flachen Platte tut es auch eine Waschanlage – bei einem Ventilblock mit acht Querbohrungen nicht.
Der Prozess in der Praxis
1. Vorreinigung
Grober Schmutz, lose Späne und dicke Fettschichten kommen vor dem Bad herunter. Wer alles ins Ultraschallbad kippt, verbraucht das Medium unnötig schnell und verschleppt Schmutz auf die nächsten Teile.
2. Medium und Temperatur wählen
Das Reinigungsmedium muss zum Schmutz und zum Werkstoff passen. Stark alkalische Reiniger lösen Öl und Ruß hervorragend, greifen aber Aluminium, Zink und Buntmetalle an. Für diese Werkstoffe kommen neutrale oder schwach alkalische Medien zum Einsatz. Typische Badtemperaturen liegen zwischen 50 und 70 °C – Wärme unterstützt die Reinigung deutlich, kann bei manchen Medien aber die Kavitation schwächen.
3. Beschallen
Die Teile liegen im Korb, ohne sich gegenseitig abzuschatten. Was aufeinanderliegt, wird an der Kontaktstelle nicht sauber. Die Beschallungsdauer richtet sich nach dem Verschmutzungsgrad und liegt meist zwischen fünf und zwanzig Minuten.
4. Spülen, trocknen, konservieren
Nach dem Bad wird gespült, damit keine Medienreste antrocknen, anschließend getrocknet. Blanke Stahlteile brauchen danach unmittelbar einen Korrosionsschutz – sonst zeigt sich der Flugrost noch am selben Tag.
Die häufigsten Fehler
- Falsches Medium: Aluminiumteile im stark alkalischen Bad verlieren Glanz, werden matt oder angeätzt – irreversibel.
- Überladener Korb: Teile im Schallschatten bleiben schmutzig, und das Ergebnis wird unberechenbar.
- Zu lange Beschallung: Bei weichen Werkstoffen und beschichteten Oberflächen kann Kavitation auf Dauer die Oberfläche angreifen.
- Bad nie gewechselt: Ein mit Öl gesättigtes Bad reinigt nicht mehr, sondern verteilt die Verschmutzung neu.
- Kein Korrosionsschutz: Perfekt gereinigte Stahlteile rosten nach dem Trocknen innerhalb weniger Stunden an.
Wo das Verfahren an Grenzen stößt
Ultraschall ist kein Allheilmittel. Sehr große Bauteile passen schlicht nicht ins Becken. Fest eingebrannte Rückstände, dicke Lackschichten oder Zunder lösen sich auch im Bad nicht zuverlässig – hier führt erst die Kombination mit einem anderen Verfahren zum Ziel, etwa Trockeneisstrahlen oder Hochdruckreinigung. Und Bauteile mit empfindlichen Klebeverbindungen, Dichtungen oder Elektronik gehören ohne vorherige Prüfung nicht ins Bad.
Praxistipp: Lassen Sie im Zweifel ein Musterteil reinigen, bevor eine ganze Charge ins Bad geht. Der Test kostet eine halbe Stunde – ein falsch behandeltes Los kostet deutlich mehr.
Teilereinigung als Dienstleistung
Eine eigene Ultraschallanlage lohnt sich erst ab einem stabilen, regelmäßigen Teilevolumen – inklusive Medienbeschaffung, Badpflege und Entsorgung des verbrauchten Reinigers. Für die meisten Betriebe ist die Reinigung als Dienstleistung wirtschaftlicher: Teile abgeben, gereinigt, konserviert und dokumentiert zurückbekommen.
CIX-Service übernimmt die Teilereinigung mit Ultraschall für Industrie- und Produktionsbetriebe – mit auf Werkstoff und Verschmutzung abgestimmten Medien, definierten Prozessparametern und Nachweis über jede Charge.
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